Gedenktage für die Opfer des Nationalsozialismus

Bundespräsident Roman Herzog hat vor zehn Jahren den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus bestimmt. Es ist der Tag, an dem 1945 die sowjetische Armee das Vernichtungslager Auschwitz erreicht hat. Roman Herzog: "Die Erinnerung darf nie enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form der Erinnerung zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken."

Öffentliches und kollektives Erinnern darf nicht in Routine erstarren. Gedenktage und Gedenkstunden müssen über den Tag hinaus wirken. Sie müssen bewegen und sie müssen etwas bewegen.


Seit 1996 führt der Bezirksausschuß Maxvorstadt, überwiegend mit Kooperationspartnern jeweils zum 27. Januar Gedenkveranstaltungen durch.

2013

Vor 70 Jahren, im Februar 1943, rief Goebbels den „Totalen Krieg” aus

Begrüßung und: „Ein Fünfjähriger erlebt 1943‟
Dr. Oskar Holl, Vorsitzender des Bezirksausschusses Maxvorstadt

Europäische Erinnerungsarbeit in München
Klaus Bäumler

Joseph Goebbels, der „Totale Krieg‟ und die Ermordung der Juden Europas
Prof. Dr. Peter Longerich, München und London
Mitautor des Ausstellungskonzepts für das NS-Dokumentationszentrum München

Peter Longerich, geb. 1955, promovierte 1983 mit einer Arbeit zur NS-Propaganda in München und arbeitete bis 1989 am Institut für Zeitgeschichte. Er lehrt als Professor am Royal Holloway and Bedford
New College der Universität London. Zur Zeit ist er Gastprofessor an der Universität der Bundeswehr München. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind in unserem Zusammenhang besonders erwähnenswert die Biographien über Heinrich Himmler (2008) und Joseph Goebbels (2010), die erstmals eine tiefenpsychologische Deutung dieser Führungsfiguren des Nationalsozialismus versuchen
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2008

"75 Jahre Machtergreifung"

Vor 75 Jahren begann 1933 mit der sog. Machtergreifung die zwölf verhängnisvollsten Jahre in der Geschichte Deutschlands.
Die "Machtergreifung" und der "Protest der Richard-Wagner-Stadt München", als erste gemeinsame Aktion der Münchner Bürgerschaft mit den neuen Machthabern des NS-Regimes, werden das zentrale Thema der Veranstaltung sein, die der BA Maxvorstadt am 27. Januar 2008 durchführt:

"Machtergreifung" im Jahr 1933:
im Reich, in Bayern und in München.

Vortrag von Dr. Ulrike Haerendel

"Protest der Richard-Wagner-Stadt München" im Jahr 1933:
Hintergründe und Folgen.
Vortrag von Klaus Bäumler

Die Bayerische Staatsbibliothek stellt im Rahmen ihrer Veranstaltungen zu ihrem 450-jährigen Bestehen (1558 - 2008) den Fürstensaal zu Verfügung.


2007:

Die Tötung psychisch-kranker Menschen in den Jahren 1939 - 1945

Vortrag: Dr. Michael von Cranach

Samstag, 27. Januar 2007, 18.00 Uhr

Bayerische Staatsbibliothek, Fürstensaal,
Ludwigstraße 16, 80539 München-Maxvorstadt,
(U-Bahnhof Universität)

Einladung

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Erinnerung an das Verfolgungsschicksal psychisch-kranker Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus. In den Jahren 1939 bis 1945 wurden etwa 180.000 psychisch-kranke Menschen ermordet. Allein aus Bayern wurden 20.000 psychisch Kranke im Rahmen der planmäßigen Tötungsaktion "T 4" umgebracht oder starben den qualvollen, planmäßig herbeigeführten Hungertod.

Dr. Michael von Cranach (bis 2006 Ärztlicher Direktor im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren) hat diese Vernichtungsaktionen im Detail erforscht und in Publikationen und Vorträgen dokumentiert.

Musikalische Umrahmung:
NN, Cello (Stipendiat der Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks)

Mit Unterstützung der Landeshauptstadt München, Kulturreferat, laden ein:

Evang. Kirchen
gemeinde St. Markus Pfarrer Rainer Schulz
Kath. Pfarrgemeinde
St. Benno
Pfarrer Ludwig Sperrer
Kath. Pfarrgemeinde
St. Bonifaz,
P. Korbinian Linsenmann
Kath. Pfarrgemeinde
St. Ludwig,
Pfarrer Dr. Babinsky
Kath. Pfarrgemeinde
St. Joseph,
Pater Siegfned OFM CAP
Evang. Studentlnnen-
gemeinden LMU und TUM,
Pfarrerin M. Rogler u.
Pf. Dr. Probst
Gegen Vergessen
Für Demokratie e.V.,
Dr. Anne-Barb Hertkorn
Weiße Rose Stiftung e.V.
Dr. Christof Schmid
Evang. Stadtakademie München
Jutta Hoecht-Stoehr
Bezirksausschuss Maxvorstadt
Klaus Bäumler (V.i.S.d.P.)
Tal 13, 80331 München, Tel. 22802673

2006:

VON IHREN KIRCHEN VERLASSEN UND VERGESSEN ?
ZUM SCHICKSAL DER CHIRSTEN JÜDISCHER HERKUNFT IN MÜNCHEN IN DER NS-ZEIT

Vortrag von Dirk Schönlebe
Zeitzeugenbericht von Walter Joelsen

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Erinnerung an das Verfolgungsschicksal der Christen jüdischer Herkunft in München während der Zeit des Nationalsozialismus. Die sog. nicht-arischen Christen gehörten der katholischen bzw. der evangelischen Kirche an und waren von dem religios-humanitären Netz der Kultusgemeinden, das die jüdische Glaubensgemeinschaft bis zuletzt verband, ausgeschlossen.
Wie reagierte die katholische und die evangelische Kirche auf die Not ihrer sog. nichtarischen Gemeindemitglieder?
Welche Hilfsstellen wurden in München geschaffen?
Dirk Schönlebe beantwortet in seinem Vortrag diese Fragen und stellt die neuesten Forschungsergebnisse vor.
Walter Joeisen berichtet als Zeitzeuge.
Veranstaltungsort: Bayerisches Hauptstaatsarchiv Schöfeldstr.5,
(Maxvorstädter 27. Januar 2006)


2005

Gespräch mit Zeitzeugen Pavel Kohn un David Duschmann
60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz

Anlässlich dieses Tages berichten zwei Zeitzeugen - der Eine aus Sicht eines in Auschwitz internierten, der Andere als einer, der die Situation als Befreier erlebt hat. die beiden Zeitzeugen sprechen miteinander über ihre Eindrücke und ihr Erleben, beantworten Fragen und diskutiern mit den Zuhörern.

Pavel Kohn
geb. 1929 in Prag, ist einziger Überlebender einer große jüdischen Familie. Von 1942-45 war er in Theresienstadt sowie in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau und Buchenwald interniert. Der Dichter, Publizist, Journalist ('Schlösser der Hoffnung';2001) und ehemaliger Redakteur von Radio Free Europe lebt heute mit seiner Frau im niederbayerischen Rottal.

David Duschmann
Jahrgang 1923, Sohn eines Arztehepaars und begeisterter Sportler, hatte sich am 22. Juni 1941 - unmittelbar nachdem der Zweite Weltkrig die UdSSR erfaßt hatte - freiwillig an die Front gemeldet. 1945 gehörte er als Panzersoldat der sowjetischen Truppeneinheit an, die das Konzentrationslager Auschwitz befreite. Heute lebt er mit seiner Familie in München.

Moderation: Brigitte Reimer (Slavistin, Journalistin), Übersetzung: Peter Oberhuber (staatl. gepr. Übersetzer)
Musikalische Umrahmung: Männerchor 'Freundschaft' der Israelitischen Kultusgemeinde München

Veranstalter:
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V.
Bezirksausschuss 3 Maxvorstadt der LHSt München
Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V., Regionalgruppe München

Veranstaltungsort: Großer Sitzungssaal, Neues Rathaus, Marienplatz
(Maxvorstädter 27 Januar 2005)


2004

"Wissenschaft und Zivilcourage"

Das Chemische Institut von Nobelpreisträger Geheimrat Prof. Heinrich Wieland am Alten Botanischen Garten war nicht nur ein Zufluchtsort für Studenten (u.a. Halbjuden"), die an keiner anderen Universität während des "Dritten Reichs" studieren durften, sondern auch der Ort des Widerstandes von Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn im Zeichen der Weissen Rose.

Nachdem voraussichtlich 2004 das Areal der "Alten Chemie" umgenutzt wird, besteht jetzt noch einmal die Möglichkeit, auf die besondere zeitgeschichtliche Bedeutung des Ortes hinzuweisen.
Zugleich soll mit dieser Veranstaltung um die Erhaltung des Hörsaaltrakts an der Meiserstraße (Architekten: Albin Steininger und Johanna Löv) geworben werden, um hier in Verbindung mit dem Justus-von-Liebig-Hörsaal das von Freistaat Bayern und Landeshauptstadt München geplante NS-Dokumentationszentrum einzurichten.

Vortrag:Dr. Hildegard Hamm-Brücher, Staatsministerin a.D.
'Heinrich Wieland - ein aufrechter Dissident'
Begrüßung: Klaus Bäumler, Vorsitzender des Bezirksausschuß Maxvorstadt
Grußwort: Prof. Dr. Franz Bracher, Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie der LMU

Link:
Widerstand an naturwissenschaftlichen Universitätsinstituten
- http://www.widerstand.musin.de/index2-22.html


2003

"Oradour und die Europäische Erinnerungsarbeit"
Erinnerungsarbeit muss nationale Grenzen in Europa überschreiten. Gemeinsames Gedenken über Grenzen hinweg kann Gemeinsamkeit und Vertrauen in der Zukunft schaffen.

Mit einer Veranstaltung am 27. Januar 2003 im Bayerisches Hauptstaatsarchiv erinnert der Bezirksausschuß Maxvorstadt an das grauenhafte Verbrechen der SS-Panzerdivision "Das Reich" am 10. Juni 1944, dessen Opfer die Bürger von Oradour-sur-Glane (Limousin) waren.
Es spricht der Bürgermeister von Oradour-sur-Glane, M. Raymond Frugier,
Grussworte: Dr. Gertraud Burkert, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Karl Freller, Staatssekretär im Bayer.Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Klaus Bäumler, Bezirksausschuss Maxvorstadt
Wunden der Erinnerung": Oradour-sur-Glane und die Europäische Erinnerungsarbeit


2002 NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz
Am 26. Januar 2002 wird zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus am Sockel der sog. Ehrentempel Ecke Arcis-/Brienner Straße vom Baureferat in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat und dem Bezirksausschuss Maxvorstadt eine Tefel neu aufgestellt, die in deutscher und englischer Sprache an das NS-Macht- und Kultzentrum in der Maxvorstadt erinnert.
Damit soll gleichzeitig die partei-übergreifende Forderung, in München in unmittelbarer Nähe des Königsplatzes ein Informationszenntrum über die NS-Zeit und die Jahre davor zu errichten, unterstrichen werden. Diese Forderung richtete sich an die Stadt München, den Freistaat Bayern und auch an den Bund. (s. Broschüre: NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz)

2001 Wunden der Erinnerung": ORADOUR-SUR-GLANE'
Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erinnert der Bezirksausschuß Maxvorstadt an das grauenhafte Verbrechen der SS-Panzerdivision "Das Reich" am 10. Juni 1944, dessen Opfer die Bürger von Oradour-sur-Glane (Limousin) waren.
Der Untat der SS-Panzerdivision "Das Reich" fielen am 10. Juni 1944 in Oradour-sur-Glane 642 Menschen zum Opfer. 210 Frauen und 240 Kinder wurden in der Dorfkirche ermordet, die Männer in Scheunen und Garagen mit Maschinengewehren niedergeschossen.
Die Ruinen des Ortes, von Charles de Gaulle zum Nationalen Denkmal Frankreichs erklärt, erinnern bis heute an das heimtückische Massaker. Über 300 000 Menschen besuchen jährlich das Märtyrerdorf (village martyr) im Nordwesten von Limoges. 1999 wurde in Oradour das "Centre de la Mémoire" eröffnet.
Oradour-sur-Glane steht für die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des totalen Kriegs; ebenso wie die Orte Lidice (10. Juni 1942 in der Tschechoslowakei), Distimo (10. Juni 1944 in Griechenland) und Marzabotto / Monte Sole (29. September 1944 in Italien).
2000 Freiherr-von-Pechmann-Weg
Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 29. Januar 2000 stand das Gedenken an Wilhelm Freiherr von Pechmann (10.6.1859 - 10.2.1948). Der Fussweg an der Ostseite der Königinstrasse zwischen Veterinärstrasse und Von-der-Tann-Strasse wurde nach Wilhelm Freiherr von Pechmann benannt. Im Dezember 1998 regte der Bezirksausschuss Maxvorstadt an, diesen neugeschaffenen selbständigen Fußweg nach Wilhelm Freiherr von Pechmann zu benennen.

1999 "Topographie des NS-Terrors in München"
Wittelsbacher Palais: Gestapo-Zentrale und Gestapo-Gefängnis
Wo genau befand sich das Wittelsbacher Palais mit der Gestapo-Leitstelle München? Wann und wo wurde das Gestapo-Gefängnis errichtet? ...
Diesen Fragen wurde bei der "Spurensuche", zu der St. Markus, Gegen Vergessen Für Demokratie e.V. und der Bezirksausschuss Maxvorstadt am 20. Januar 1999 eingeladen hatten, nachgegangen.( siehe auch:"Topographie des NS-Terrors in München")

1998 Walter Klingenbeck-Weg
Seit Januar 1998 erinnert der bis dahin unbenannte Fußweg auf dem staatlichen Grundstücksareal zwischen Kaulbarstrasse und Ludwigstrasse nördlich der Staatsbibliothek an das Schicksal Walter Klingenbecks.
Walter Klingenbeck, geb. 20.3.1924 in München, am 26.1.1942 durch Denunziation verhaftet, verurteilt zum Tode durch den "Volksgerichtshof" am 24.9.1942, hingerichtet im Alter von 19 Jahren am 5.8.1943 im Gefängnis Stadelheim.
Walter Klingenbeck war Mitglied der Kath. Jungschar von St. Ludwig bis zu deren Auflösung 1936. Führte eine kleine oppositionelle Jugendgruppe an, die mit Flugblättern, Wandparolen und Geheimsendern Widerstandsaktionen für den Sturz des NS-Regimes plante und durchführte. (siehe auch: Broschüre Walter Klingenbeck-Weg)

Link: Der Klingenbeck-Kreis
-http://www.widerstand.musin.de/index1-4.html

1997 Georg Elser Platz
Zum Gedenktag 1997 konnte eine Platzfläche an der Türkenstrasse nach Johann Georg Elser (04.01.1903 - 09.04.1945) benannt werden. Georg Elser hatte von der Türkenstrasse aus das Attentat auf Hitler im Bürgerbräu-Keller am 8.11.1939 vorbereitet.
Der kleine, bescheidene Platz an der Türkenstrasse, in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnung Georg Elsers, mit dem örtlichen Bezug zu der Münchner Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais, wo er verhört wurde, soll zugleich an die acht Opfer der Explosion im Bürgerbräu-Keller erinnern.
Zum 60. Jahrestag des Attentats sprach Oberbürgermeister Christian Ude Worte des Gedenkens am Georg-Elser-Platz. Die Namensgebung geht auf einen Antrag des Bezirksausschusses Maxvorstadt vom 8. März 1994 zurück.l

1996 Schicksale jüdischer Mitbürger in der Maxvorstadt
Beim Besuch der Ausstellung 'Bürokratie und Kult' des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, in der die Entwicklung des NSDAP-Parteizentrums und des Parteikults im Umfeld des Königsplatzes erstmals mit wisschenschaftlicher Gründlichkeit dargestellt worden war, wurde dem Verfolgungsschicksal jüdischer Mitbürger in der Maxvorstadt gedacht.

Erkundigungen des BA über die NS-Zeit zum Gedenktag 1996 zusammengefaßt von Klaus Bäumler
z.B. 'Verfolgungsschicksale in der Maxvorstadt', 'NSDAP und die evangelische Kirche' weiter.....


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